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Seminar Armando Lucero

Theorie in der Komposition von Routinen

Armando Lucero zeigt zu Beginn eine schöne, kurze Münzsequenz, um anschließend zu verkündigen, dass er sie nicht erklären wird. Aufgrund der Komplexität reiche die Zeit nicht. Stattdessen möchte er seine Theorie der Komposition von Routinen erklären. Jeder Zauberkünstler solle sich unbedingt eine Grundsatzfrage stellen: Wie definiere ich für mich Magie? Das sollte der Ausgangspunkt meiner Überlegungen sein. Stellt man Laien diese Frage, taucht in der Antwort garantiert der Begriff „Tricks“ auf. Bei Zauberern sollte das anders sein, weil Tricks nur ein Fragment von vielen sind, um Magie zu erzeugen. Jeder solle sich Gedanken darüber machen, welche weiteren Bausteine einem zur Verfügung stehen. Armando ist sich darüber im Klaren, dass viele ihn als Münzenzauberer abgespeichert haben. Er würde sich selbst nie als solcher bezeichnen. Die Münzen sind für ihn ein Mittel, um seine Definition von Magie in der praktischen Zauberei umzusetzen. „Give them nothing and they will expect something, give them something and they will expect nothing“: Dieser Gedanke ist die Grundlage für die Struktur seiner kurzen Münzsequenz. Um das besser zu verstehen, zeigt er eine Abfolge von Effekten mit Schwammbällen, denen die gleichen Gedanken zugrunde liegen: Wie steuere und kontrolliere ich die Erwartungshaltung der Zuschauer? Das Prinzip nichts zu machen, wenn der Zuschauer etwas erwartet und umgekehrt veranschaulicht Armando mittels einer Kartenwanderung in mehreren Phasen.

Im zweiten Teil des Seminars wird Lucero philosophisch:  Wie entdecke ich mein Ich? Das Entwickeln einer starken Persönlichkeit hilft, ein guter Performer zu werden. Der Zuschauer nimmt meine innere Stärke wahr; wenn er in mir eine glaubwürdige Persönlichkeit erkennt, wird die Zauberei wesentlich überzeugender. Am Schluss erzählt der sympathische Künstler eine rührende Anekdote: Eines Tages kommt seine Frau nach Hause und hört, dass er offensichtlich mit irgendetwas beschäftigt ist. Aus dem Flur fragt sie: „Was  machst Du da?“ Er: „Das, was ich immer mache. Ich übe den üblichen Kram.“ Sie positioniert sich neben ihn, wirft ihm einen strengen Blick zu und ermahnt ihn in unmissverständlichem Ton: „Sag so etwas nie wieder! Das, was Du da machst, ist das, wofür Du am meisten brennst. Du bist nicht weniger wert als Mozart, Beethoven oder Einstein, wenn Du das, was Du liebst,  mit Leidenschaft ausübst.“