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Kaufen oder nicht kaufen, das ist hier die Frage!

Oder warum wir den Rummelplatz der Versprechungen so lieben

Ich brauche keine neuen Produkte. Die Schränke sind voll. Und trotzdem freue ich mich auf die Händlermesse in Rimini. Als Zauberkünstler fühlen wir uns auf diesem Rummelplatz der fliegenden Händler wie ein Kind im Süßwarenladen. Welche Tricks werden es diesmal sein, die unsere Vorsätze entfachen, einmal gekauft auch dran zu bleiben (diesmal wirklich!), um am Ende doch nur den Stapel der Versprechen aus der Vergangenheit um ein paar Zentimeter zu erhöhen? Es ist die Jagd nach dem, was uns zauberhaftes Glück bescheren soll. Unter all den Verrückten suchen wir den Einen, der uns das Gefühl des kindlichen Staunens zurückgibt, weil wir die Methode nicht gleich erkennen. Ein wenig Fieber – und ja auch Sucht – schwingt mit, wenn wir eigentlich nicht den Trick, sondern die Emotionen, die er bei uns auslöst, mit nach Hause nehmen wollen. Zum Glück befinden wir uns auf der FISM unter Gleichgesinnten, da brauchen wir uns nicht zu erklären. Es ist mittlerweile ein unausgesprochener Wettbewerb, der unter Zauberkollegen ausgefochten wird. Wer geht mit der leichtesten Einkaufstüte nach Hause? Wer bleibt standhaft bis zum letzten Tag und bereut das Nichts im Koffer nicht? Wen wird die Torschlusspanikartig derart niederknechten, dass wir ihn in den letzten FISM-Minuten panisch über die riesige Messefläche hecheln sehen? Und irgendwann begegnen wir dem Ersten mit Mumm. Seht, er hat etwas gekauft! Ausgerechnet auch noch den Trick, mit dem ich hadere! Das verschafft Respekt, einerseits, zündelt an unseren Gewissensbissen andererseits. Wenn er…soll ich dann auch? Und was, wenn der Trick morgen ausverkauft ist? Dabei könnten wir es uns einfach machen: Ab und zu mal innehalten und überschlagen, welchen Mittelklassewagen wir heute fahren würden, wären die Zauberschränke leer. Und trotzdem hätten wir noch genügend Kunststücke, die es zu üben lohnt. Aber wer will denn sein eigener Spielverderber sein?! Oder würden Sie einem Kind den Lolly wegnehmen mit der Bemerkung, es habe schon genug Süßes in seinem kurzen Leben genascht?