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Die Fahrt nach Rimini

In Ermangelung magischer Ereignisse ein Bericht von meiner Zugreise in den Ort der Begierde: Rimini!!

Hauptbahnhof Rimini – Freitag Abend

Schwüle Luft schlägt sich mir entgegen, als ich nach über 9 Stunden Anreise ankomme. Rimini das Ziel meiner Fahrt, Kongressort des Weltzaubertreffen der FISM. Bisher war der Name Rimini bei mir immer mit negativen Gedanken verbunden, denn als Urlaubsort ist er eine Katastrophe. Außer man wäre gerne als Sardine auf die Welt gekommen.
Aber heute früh, hat alles ganz anders begonnen.

Da ich blitzschnell vom Auto zum Verkehrsmittel Zug umsteigen musste, hat sich die Abreise verkompliziert. Umpacken war angesagt. Da ich aber auch sehr viele Dinge für die Aladin Überraschungsparty mitnehmen musste, war es eine Herausforderung so zu packen, dass ich damit mit dem Zug reisen konnte. Um 08:52 geht es in Wörgl los. Der Zug ist pünktlich und nicht überfüllt. Ich habe die 40 Euro aufgezahlt und sitze klimatisiert in der 1. Klasse mit Anschluss an meine vielen elektronischen Helfer.

Und genau die werden mir zum Verhängnis. Ein Email von Booking.com erreicht mich. Man hat meine Stornierung des Zimmers durchgeführt und hat 120 Euro Storno von meiner Kreditkarte abgebucht. Halt!!! Ich habe nichts storniert sondern freue mich auf ein Hotelzimmer. Und das ist offensichtlich weg, genauso wie 120 Euro.
Es würde mich nicht nervös machen, wenn da nicht meine Zauberfreunde wären für die ich mitgebucht habe. Ich sehe Kurt Freitag, Andreas Sucker und Jan Logemann schon vor mir stehen und mich mit Spagetti am nächsten Baum aufhängen.

Ich hänge ca. 45 Minuten in der Leitung und erkläre der Hotline von Booking.com was falsch gelaufen ist. Ständig werden wir unterbrochen denn die Bahntrasse führt in Tirol oft durch Tunnels.

Inzwischen habe ich am Brenner die Italienische Grenze überquert. Ein Anruf von Booking.com. Ja wunderbar, denke ich. Aber die Nachrichten sind schlecht. Das Zimmer von Andreas und Jan ist bestätigt. Meine Stornierung war ein Fehler des Hotels, es tut ihnen leid, aber das Zimmer bekomme ich nicht mehr, sie haben es bereits jemand anderem gegeben. Das nützt mich jetzt aber überhaupt nichts mehr. Ich und Kurt Freitag werden wohl am Strand schlafen. Reihe 15, Liegestuhl 78. Wenn ich geschickt verhandle dann bekomme ich vielleicht vom Strandwart einen Wochentarif ohne Nachtzuschlag.

Der Zug rattert unermüdlich weiter. Ich beschließe mir den Tag nicht vermiesen zu lassen. Mit dem Zimmer hatte ich aber so ein Pech. Zuerst (vor fast einem Jahr) habe ich mir ein passendes Hotel ausgesucht, verkehrsgünstig und ein großes Zimmer. Dann vor 4 Monaten bekam ich Nachricht dass das Hotel pleite sei. Und nun das hier. Zu allem Überfluss bin ich nicht allein.  Kurt Freitag träumt noch von unserem Strandhotel und weiss nicht, dass er im Liegestuhl Reihe 17 übernachten muss.

Die Dame die bei mir im Abteil sitzt fährt bis Verona. Solo Wochenende, Flucht vor der Familie wie sie mir sagt. Ob die Flucht darin besteht in den Armen eines italienischen Lover eine Verjüngungskur zu machen oder in einer frustrierten Frauengruppe einen Kreativkurs zu absolvieren, weiß ich nicht. Ich wünsche ihr ersteres.

Ein SMS von Ulrich Rausch erreicht mich kurz vor Bozen. Er trifft mich am Bahnsteig von Bologna. Er hat mich ja maßgeblich bei der Planung des Aladin Events unterstützt. Seine Frau unterrichtet an der Uni in Bologna und er lebt hier. Im Aladin hat er ja über Rimini mehrfach berichtet. Besonders seine Schilderung der Eismesse in Rimini im Februar wird mich motivieren eine der seltsamen neuen Eiskreationen zu versuchen.

Wie genau manche Leser Artikel lesen merke ich daran, dass ich immer wieder gefragt werde, wie man schreiben kann, dass beim FISM Kongress 30.000 Teilnehmer sind. Ulrich berichtete vom Eiskongress wo 30.000 Besucher waren….

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Südtirol

Draußen rattert die Landschaft vorbei. Südtirol. Ein wunderbares Land. Gebirgig wie Tirol, doch das Kima ist milder und gegen Süden bekommt man schon echte italienische Urlaubsstimmung. Weinberge ziehen sich auf den steilen Hügeln hinauf und viele Burgen stehen stolz auf Anhöhen.

Meine Gedanken kreisen um den kommenden Kongress. Auf was freue ich mich am meisten? Das ist schwer zu sagen. Ich denke aber es sind die Begegnungen mit Freunden die so ein Ereignis zu etwas ganz Besonderen machen. Tricks sind vergänglich, aber Persönlichkeiten unvergessen.
Es sind die magischen Momente an die man sich später erinnert. An Norbert Ferré mit seinem clownesken Manipulationsauftritt, Silvan mit Kartenmanipulationen, Paul Daniels der Entertainer, Armando Lucero der uns alle in den Wahnsinn in Den Haag trieb. Oder das Gefühl wenn man Otto Wessely mit seinen Rasierklingen erlebt oder wie er ein Furzkissen zelebriert. Das sind die Momente die einem auch nach Jahren eine Gänsehaut über den Rücken treibt.

Mit so einem Computer hat man die Arbeit immer mit dabei. Selbst im Zug. Ein Segen, dass ich bis Rimini keinen Internetzugang habe. Dadurch kann ich mich besser auf das konzentrieren an dem ich arbeite.

Aladin Nr. 4 steht vor der Türe. An den Heften 5 und dem ersten Heft 2016 arbeite ich auch schon intensiv. Viele der Themen benötigen einfach Zeit um zu recherchieren. Wenn man versucht Themen ganzheitlich zu behandeln, bemerkt man, dass die eigene Einstellung oft überdacht gehört. Wir haben Schubladen in die wir alles stecken. Macht man so eine Schublade aber auf, bemerkt man, dass doch nicht alles so ist, wie wir das vielleicht gerne sehen würden.

Als Redakteur einer Zeitung ist man aber verpflichtet den Parteien gerecht zu werden. Die Rotariern (bei denen ich nicht bin) haben einen Leitspruch, der mir imponiert hat. Vor man etwas tut sollte man sich immer fragen: „Ist es wahr?“, „Ist es fair?“ und wird es das Miteinander fördern?“. Ich möchte mir diesen Grundsatz bei meiner Arbeit für den Aladin eigen machen. Da bedeutet nicht, dass ich Dinge nicht beim Namen nenne die ich nicht in Ordnung finde. Aber ich versuche zumindest auch die „andere“ Seite zu verstehen. Das benötigt oft viel Zeit.

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Bahnhof Bologna

Die Laune meiner Abteilbegleiterin bessert sich, je weiter sie sich München entfernt. Ich denke mit meinem Verdacht liege ich nicht so falsch. „Latin Lover“.
Was sie sich wohl denkt? Wo fährt dieser attraktive Herr hin? 😉

Wenn sie wissen würde, dass ich mich mit 3000 Kindsköpfen treffe, die sich Plastikdaumen überziehen und Federblumen in Sakkos stopfen, würde sie wohl das Abteil wechseln. Aber so ist das eben. Die wahren Abenteuer sind im Kopf singt schon André Heller in einem Lied. Die Realität schaut oft ernüchternd aus.

Rovereto huscht vorbei. Weinbau und Tabakanbau wird hier betrieben. Ich habe einmal von hier Tabaksetzlinge entwendet und am Balkon meiner Studentenbude gezogen. Und das war noch eine der eher harmlosen Pflanzen meiner „grünen Gärtnerjahre“.

Ein schmuckloser Ort zwischen den letzten Ausläufern der Berge. Ein Ort an dem man einfach nur vorbeifährt. Wenn man sich aber einmal die Mühe macht von der Autobahn zu fahren, erlebt man eine Norditalienische Kleinstadt, die sehenswert ist.

Meine Mitreisende beginnt seit 20 Minuten hektisch zu räumen, das Gepäck zu sortieren. Sie scheint für 2 Wochen vorgekocht zu haben. Fein säuberlich alles in Tupperware Särgen verpackt. Das passt so gar nicht zu meiner „Italo Lover Theorie“. Vielleicht fährt sie doch zu einem Kreativworkshop?

Jetzt bin ich nach Verona jedenfalls wieder allein. Vorher noch meine Neugier gestillt und mich ausgiebig unterhalten. Beide Theorien falsch.

Verona eine wunderbare Stadt, die ich von früher gut kenne. Bekannt für die Opernfestspiele in der Arena. Ein gewaltiges Spektakel. Regnet es wird unterbrochen und man geht am Plazzo in eines der vielen Restaurants. Wenn weitergespielt wird, ertönt ein Horn und man trifft sich wieder in der Arena. Auf den steilen Steinstufen der Arena sitzt man mit Musikbegeisterten aus aller Welt und erlebt ein Spektakel der Sonderklasse.

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Reisetagebuch

Die Stadt selbst ist etwas für Verliebte. Der unscheinbare Hof mit dem Balkon, wo Romeo und Julia ihr Schicksal fanden, die engen Gassen, schönen Kirchen, Plätze und das italienische Leben. Im Spätherbst, wenn es touristisch ruhiger wird, ist eine spannende Zeit für Menschen die diese Stadt besser kennen lernen wollen. Und glaubt mir, zu zweit macht es mehr Spaß.

Mit 20 minütiger Verspätung komme ich in Bologna an. Am Hauptbahnhof ein irres Treiben. Zwischen der Menge Ulrich Rausch der mich dabei fotografiert wie ich meine schweren Koffer aus dem Zug hieve. Ich bin froh, dass er mir hier hilft, dass ich rasch in Richtung Rimini weiter komme. Wir kaufen gleich die Karten für den Regionalzug und setzten uns in den Warteraum. Wir haben Zeit, der Regionalzug hat offenbar Verspätung. Wir unterhalten uns – natürlich über die kommenden Tage.

Ein Königreich für Wasser

Ein Königreich für Wasser

Als wir dann zum Bahnsteig gehen steht der Zug schon da. Menschentrauben in den Eingängen. Sitzplätze gibt es keine mehr, Ich bin froh, dass ich mich mit meinen Koffern überhaupt in den Eingangsbereich hineinquetschen kann. Temperatur – gefühlte 70 Grad. Überall schwitzende Italiener die an die Küste wollen um die Pink Night zu erleben. Der Zug steht und fährt nicht ab. Inzwischen stehe ich schon eine Stunde. Als der Zug sich dann endlich in Bewegung setzt, grölt die Menge und applaudiert. Kein gutes Zeichen wenn man applaudiert, wenn der Zug das tut, was er schon vor einer Stunde machen sollte. Ich hoffe mein Applaus in der nächsten Woche wird andere Beweggründe haben. Die Fahrt dauert statt 1:25 über zwei Stunden. Schweißgebadet stehen wir wie die Sardinen in einer Blechbüchse. Eine Frau setzt sich auf meinen Koffer. Knacks!

Endlich Ankunft Rimini. Da bin ich nun.

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Endlich im Hotel

Mein Hotel ist nur 300 m vom Bahnhof entfernt in der Altstadt von Rimini. Ich werde hier 2 Nächte bis Sonntag wohnen, danach ziehe ich in ein Hotel am Strand um. Ach ja das hätte ich fast vergessen, es ist ja jetzt weg. Aber ich werde von Booking.com, bis ich im Hotel bin sicherlich schon einen Ersatz zugemailt bekommen haben.

Das Hotel ist sehr schön und sauber. Ein typisches italienisches Geschäftshotel. Die Leute super freundlich. Keine besoffenen Engländer und krebsroten Bundesbürger die zu viel Sonne abbekommen haben. Ich bekomme hier sogar spontan einen Abschlag, als der Besitzer mitbekommt, dass ich zum Zauberkongress hier bin.

Das Zimmer und Bad alles perfekt, die Klimaanlage sorgt für arktische Atmosphäre, Internetgeschwindigkeit ein Traum.

Der Internet Inhalt allerdings alles andere als ein Traum. Der Buchungsvorschlag ist weit vom Schuss und völlig inakzeptabel. Da ich von meinem Hotel in 12 Minuten zu Fuß beim Kongresszentrum bin und wesentlich kürzer brauche wie von den Strandhotels, beschließe ich für Kurt und mich ein Zimmer hier zu bekommen. Bingo!

Problem gelöst. Das Reklamationsschreiben bei booking.com hat Zeit bis ich wieder zuhause bin.

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Altstadt Rimini Nah am Kongresszentrum Weit weg vom Trubel

Ein kleiner Spaziergang in der Altstadt. Ich bin richtig froh hier zu wohnen und nicht in einem Strandhotel inmitten des Trubels. Hier ist Rimini eine richtige italienische Stadt, keine Touristenhochburg. Denn Card Shark hat in einem Kommentar auf Facebook recht. Rimini ist riesig. Wer glaubt er erlebt hier den Flair des Weltkongresses irrt. Die paar Zauberer werden in der Hülle der Sonnenhungrigen total untergehen. Alles verläuft sich. Gut, dass das Kongresszentrum die ganze Nacht offen hat….. Hier müssen wir uns nicht mit der Stadt vermischen, hier sind wir unter uns. 😉

Eine Kleinigkeit in einer italienischen Kneipe – mit Familienanschluss – essen. Und dann geht’s ins Bett. Ach ja da wäre ja die Pink Night. Dazu fehlt mir jetzt die Energie. Ich bin ja nicht zum Spaß hier. Gehe ich halt mal etwas früher schlafen. Es ist inzwischen 1 Uhr. Was der nächste Tag bringen wird?